2005 – Hermann Huber

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Laudatio von Dieter Hasse

Ich freue mich, hier über Hermann Huber, den immer positiven Menschen und Gefährten, etwas sagen zu dürfen. Die Begegnung mit ihm gehört für mich mit zu den wertvollsten, auf die ich zurückblicken kann. Keineswegs stehe ich da allein: Hermann wurde heuer schließlich einhellig zum „Berggeist des Jahres 2005“ gewählt.
Was präzise will das bedeuten? – Nein, keine Mitgliedswerbung für unsern Alpenklub. Auch nicht, dass Hermann heuer in irgendeiner bergsportlichen Disziplin Erster geworden wäre.
Mit 75 Jahren, die er vor zwei Monaten erreicht hat, wäre das wohl auch etwas viel verlangt.
Der Klub „Berggeist“ gilt uns seit je als zünftiger Freundeskreis, für den das sportliche Bergsteigen gewiss zentrale Bedeutung besitzt; trotzdem muss allein das durchaus nicht zwingend Ziel und Inhalt aller Bergerlebnisse sein. Im mehr als 100-jährigen Bestehen des Alpenklubs galt unser Leitbild immer einer möglichst vielseitigen Ausprägung des Erlebens Berg. So neben dem Klettern durchaus das wandernde Durchstreifen von Gebirgslandschaften, egal, ob zu Fuß oder per Ski. Wie tief berührt uns da oft Zivilisationsferne, deren Schönheit, mitunter auch ihr Ernst und möglicherweise drohende Gefahr. Hinreichender Sachverstand, eine kreative Idee, rund, die solide Portion „Berg-Geist“ sollte auf jeden Fall dabei sein. Zwingend für den Berg ist grundsätzlich auch eine zuverlässige, optimale Ausrüstung, deren heutige Qualität im wesentlichen erst im Laufe fortgeschrittener Nachkriegsjahre erreicht wurde.Doch all dies war und ist nur eine Seite bergverbundenen Tuns.
Womit die künstlerische Art, Berge zu erleben, jedenfalls nicht als weniger wertvoll bezeichnet werden kann. Auch hierzu besaß man im Alpenklub Berggeist von jeher Aufgeschlossenheit durch seine Maler, Schriftsteller u. ä., die mit ihrer Liebe für die Berge ja Ähnliches empfinden wie jene, die primär Bergsport betreiben: Diese halt beim Malen, Schreiben, Fotografieren, Filmen und anderem mehr, so z. B. auch in der Musik, beim Komponieren oder Liederschaffen. Der Begriff „Berggeist“ umfasst alle diese Erlebnisfelder, womit jeder von uns auf seine Art daran Anteil hat. Wertvolle Leistungen aus jenem komplexen Berge betreffenden Sachbereich aufzuweisen, eben das ist die Voraussetzung für eine Würdigung als „Berggeist des Jahres“.
Die dem „Berggeist“ hinzugefügte Jahreszahl nennt lediglich den Zeitpunkt der Würdigung durch unsern Alpenklub, womit in erster Linie das die Berge betreffende imponierende Lebenswerk herausgestellt werden soll. Heuer entschieden wir uns für die entsprechenden Leistungen von Hermann Huber, die zumal mit seiner so wichtigen Ausrüstungsentwicklung für den Bergsport verbunden sind.
Was hat uns an Hermann Huber besonders beeindruckt? In erster Linie zweifellos seine ringsum sympathische, kameradschaftliche und vertrauenswürdige Ausstrahlung, nicht nur gegenüber Freunden und Berggefährten. Anderseits die unermüdliche Intensität seines Tuns: Was er anpackt, zieht er zielstrebig durch, dabei jedoch stets wohlbedacht und verantwortungsbewusst. Schon bald nach Hermanns Beginn des Bergsteigens gehörten trotz hohem beruflichen Engagement die von ihm durchstiegenen Routen mit zur höchsten bergsportlichen Kategorie jener Zeit: Etwa die jeweils 5. Durchsteigung der Laliderer-Nordverschneidung von Hias Rebitsch wie auch Cukrowskis Südwestwand am Oberen Berggeistturm, beides VI+-Routen. Weiter die jeweils 2. Begehung vom Karlspitzfeiler und der Westlichen Verschneidung an der Dreizinkenspitze, dann recht frühe Durchstiege der Fleischbank-Südostverschneidung, der Predigtstuhl-Direttisima sowie die 8. Begehung der Comici-Führe durch die Civetta-Nordwestwand. Nicht zu vergessen Hermanns Neutouren am Waxensteinturm, am Kreuzgrat, Croz dell‘ Altissimo, hernach u. a. auch am Südlichen Tezouiag im Hoggargebirge der Sahara. Neben zahllosen alpinen und auch Mittelgebirgs-Anstiegen hat Hermann über viele Jahre hin eine große Menge ferner Gebirge besucht, wobei Nordamerikas Yosemite Valley für einen wie ihn ziemlich am Anfang stand. Dort gelang Hermann neben anderm die Salathé am El Capitan. Hernach stand er in den USA noch auf Mount Rainier und Grand Teton. In Südamerikas Cordillera Blanca wurde typischerweise unter einem halben Dutzend Erstersteigungen formschöner Gipfel nicht aufgehört, in Neuguinea mußte die Carstensz-Pyramide mit neuer Route dran glauben, in Grönland waren es Berge der Stauningsalpen. Darüber hinaus kam es zu Gipfelersteigungen im Himalaya, in Australien, Japan, Südchina, Hongkong und von den faszinierenden Yosemite-ähnlichen Granitbergen Südkoreas ließ er sich gar bei mehreren Reisen begeistern. Bisserl näher waren dann schon etwa die schroffe Trollwand überm norwegischen Romsdalen, Klettereien in Großbritannien, in Böhmen, in Griechenland und anderwärts. Hermanns Gefährten sind zum guten Teil mit der jeweiligen Region bestvertraute Leute gewesen, von Fritz Wiessner zu Yvon Chouinard, Royal Robbins und manch ähnlicher Bergsteiger-Legende.
Schier unfassbar, ein so märchenhaftes Leben in und für die Berge! Aber so, wie das hier klingen mag, war’s letztlich auch wieder nicht. Dass Hermann nur seinem Spaß gelebt hätte, etwa wie Gunther Sachs, der Playboy Nr. 1 jener Zeit? Nein, damit war er nun wirklich nicht zu vergleichen. Auch wenn er kürzlich meinte, dass wir, d. h. unsere Generation, wohl in der besten Zeit gelebt habe oder noch lebt, die unsere Geschichte je geboten hat. – Ja, für „uns Bayern“ würde Stoiber gewiss sagen, ich möchte das auf „uns Westdeutsche“ ausdehnen, für uns Wessis trifft das mit unserer optimalen Lebenszeit recht sicher zu.
Anlass der meisten von Hermanns zahllosen, Kontinente umspannenden Reisen war jedoch in erster Linie seine gewiss sehr interessante, dabei aber überaus an-spruchsvolle, Einsatz fordernde Berufstätigkeit: Nicht nur der ihm über Jahre hin übertragene geschäftliche Ein- und Verkauf, sondern auch sein mit hohem Sachverstand betriebenes Streben nach immer besserer, zuverlässigerer Bergausrüstung. Für die Münchner Firma SALEWA, in der Hermann seit den 50er Jahren tätig war, war er deren zugkräftiger Initiator, schließlich auch ihr Geschäftsführer. Der von ihm begonnene und durch seine kreativen Anstöße und Produkt-Vervollkommnungen ausgebaute Sektor Bergsportgeräte ließ SALEWA zu einem der einschlägigen, weltmarktführenden Großhandelsbetriebe werden. Das unermüdliche Wirken von Hermann, der einst auch Gründungsmitglied des Sicherheitskreises war, kam letztlich unsrer gesamten Bergsteigerzunft zugute. Wobei es sich nicht selten auch lebenserhaltend ausgewirkt hat. Auf solcher Grundlage erhielt SALEWA 1969 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele sowie des damit verbundenen Bergsteigertreffens von Trient seinen ausrüstungsbezogenen Innovationspreis.
Man kann zu Hermann Huber noch vieles mehr sagen: Über seine Qualitäten als Klettergefährte (ich durfte eine gute Anzahl schönster Bergfahrten mit ihm erleben), über seine selbstlose Hilfe beim Ausrüstungserwerb für Freunde in der damaligen DDR und ebenso seine Unterstützung hiesiger Expeditionen in alle Welt.
Wenn auch heute schwieriges Klettern und entsprechende Skitouren, zumal Dinge wie der winterliche 90 km lange König-Ludwigs-Lauf für Hermann Vergangenheit sind – er zeigt noch immer erfreuliche Frische. Sein bergsportliches Lehrbuch „Bergsteigen heute“ vom Jahr 1971 sollte eigentlich auch für die Gegenwart ein gelungenes Beginnen gewesen sein. Nicht geringe Freude hätten wir, wenn Du noch den Schwung aufbringen könntest, die Aufzeichnungen Deiner vielfältigen Bergerlebnisse als packendes Buch und Zeitgemälde zu einem guten, gehaltvollen Ende zu führen. Wohl kaum ein anderer könnte Interessanteres als Du aus jenem Raum und jener Zeit berichten.
Damit sei Dir, Hermann, durch den „Berggeist des Jahres 2005“ unsere herzliche Bewunderung Deiner eindrucksvollen Lebensleistung für den Kreis der Bergsteiger ausgedrückt.

Dafür danken wir Dir!