2004 – Hermann Magerer

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Laudatio von Dr. Helmuth Zebhauser

Regie-Anweisung des Laudators an den Vortragenden:
langsam, ruhig, nur gelegentlich feurig vorzutragen;
nicht in singendem Ton, auch wenn man dazu verleitet würde;
eher leise, dennoch nicht wie Mozartadagio;
am besten so wie der zu Lobende hunderte Male im Fernsehen
gesprochen hat – das wäre ideal.

Vorbemerkung des Laudators: Hermann Magerer ist einer, von dem man, wenn man alt wird, sagt: Mit ihm hättest du öfter zusammen sein müssen.
Vor einem Jahrzehnt, als es noch den Alpinen Literaturpreis des DAV gab, schlug ich fahrlässiger Weise vor, diesen Preis oder wenigstens einen Sonderpreis dazu an Hermann Magerer zu geben. Das Gremium hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen – das sei doch keine Literatur, meinten sie. Eine Jury ist ja meist ein Haufen Klugscheißer, die ihre geringen Buchstabenklöße selbst nur unter Bauchschmerzen gebären können.
Den Sonderpreis für den Filmer Gerhard Baur haben sie anstandslos geschluckt. Einen Preis für den erfolgreichsten Medienmann des Alpinismus nicht.

Hermann, du hast das Gott sei Dank nicht gewusst. Aber wenn Du es gewusst hättest, hätte es Dich nicht besonders gekratzt. Du bis keiner, der auf Titel, Ehrungen und Orden geil ist.

Dieser Hermann Magerer ist ein Bergsteiger, ein Bergfreund und ein begnadeter Bergjournalist – wobei wir wissen müssen, dass hinter jedem Erfolg, auch dem des begnadeten, immer ein immenser Fleiß steckt.

Ein richtiges Mannsbild, so sagte man in meiner seinerzeit noch wesentlich maskulin geführten Gesellschaft, ein Mannsbild hat Schneid zu haben, muss wissen was er will, wohin er will und wie er gehen wird und hat bei aller Präsenz bescheiden zu sein. Hermann Magerer ist mein Paradebeispiel dafür.

Lieber Hermann, entschuldige bitte, wenn ich so etwas sage. Ich weiß, Du magst das nicht. Alles Aufgeplusterte ist Dir fremd, alles Pathetische fern.

Medienleute reden von Reichweite. Hermann Magerer hat bestimmt 2 Millionen Menschen erreicht. Womit eigentlich? Wie er sagt, mit Mittelmaß. Ja, er hat das Maß der Mitte genommen. Dort wo die Meistzahl der Bergfreunde ist. Er hat immer eine einfache Sprache geredet. Das hab ich immer bewundert. Keine geschraubten Sätze, keine aufgeplusterten Phrasen. Hermann, Du hast so geredet, wie man im Gebirg erlebt. Einfach eben – was Größe nicht ausschließt, keine Kunstsprache, auch nicht den manierierten Slang der Sportjournalisten. Nein, Du hast in der Sprache des Volkes geredet – und das ist, wie die Philosophen und die Linguisten seit geraumer Zeit wissen, das ist die Metasprache.

Magerer hat bei aller Stimmung, die er zu vermitteln vermochte, sich nie zum „Gefühlsgärtner“ der Bergsteiger gemacht. Er hat, wie man jetzt, nachdem seine Bücher erschienen sind, nachlesen kann, auch nicht Trivialliteratur fabriziert. Er war weder Gartenlaube noch Hölderlin des Alpinismus. Er hat gewusst, was der unterhaltsame Informationsmarkt braucht und hat dementsprechend mit dem Wasser dieses Marktes gekocht. Vorzüglich gekocht. Schmackhafte und gut verdauliche Kost.
Magerer hat Geist verbreitet, Berggeist. Er ist die heute nötige Form des Bildungsbürgers, welcher ja nicht durch hochgeschraubtes Wissen, Titel und Orden seine venia legendi erhält, sondern durch Verständnis, Einfühlung und einem gehören Schuss Fähigkeit, sich plausibel mitzuteilen. Hermann Magerer hat die Informationserwartungen seiner Kommunikationspartner am Bildschirm im Kopf gehabt oder zumindest treffsicher erahnt, er hat deren Informationsprofile, die schön in der Mitte zwischen denen der Konsumenten von Bildzeitung einerseits und FAZ andererseits liegen, zu berücksichtigen gewusst, hat nie Zuhörer-Zuschauer in Redundanzen ersäuft. Er hat stets die richtige Mischung aus Redundanz und Innovation angerichtet. So wird Bildung vermittelt, so werden Informationen weitergegeben, Botschaften gesendet, die ankommen.
Er hat eine Sendung erfunden, die auch nach ihm fortbesteht, hat mehr als 300 solche features (darf ich das Wort gebrauchen?) gemacht. 300 solche Sendungen, was das heißt, kann nur beurteilen, wer weiß, wie viel Arbeit, Organisation und Sorgsamkeit und aber auch Einfall hinter jeder einzelnen steckt. Er hat ein Medium für Bergsteiger zu nutzen begonnen, als alle anderen noch nicht daran dachten.

Mittelmaß hat Magerer gesagt und gemeint, wohl gemeint, nicht Kunst habe er machen wollen und aber auch nicht Kitsch. Das ist ihm vorzüglich gelungen. Magerer und sein Bergauf-Bergab ist heute eine Ikone im großen Bilder- und Wörtermuseum der alpinen Publikationen, er hat einen festen Platz in einer Literatur- und Mediengeschichte, die endlich jemand schreiben müsste.
Medienleute, vor allem die der Printmedien, reden von Reichweite. Magerer hat im Lauf eines Jahres vielleicht 2 Millionen Bergfreunde erreicht. Ihm haben zuweilen bei einer einzigen Sendung 700 000 Menschen zugeschaut und zugehört.
Hermann Magerer hat immer verstanden, dass Fernsehen ursprünglich ein narratives Medium ist, und nicht primär ein visuelles. Also hat er erzählt, geschildert und dem Zuschauer-Zuhörer schöne Erinnerungen gleichwie neue Informationen und auch Animationen geliefert.

Wenn ich einen Alpinen Kulturpreis zu vergeben hätte – Magerer wäre mein erster Anwärter. Die praktische Wirkung seiner Sendungen übertrifft die der meisten, ja vielleicht aller Alpin-Publizisten. Hermann Magerer ist ein Machertyp. Macher mag ich. Sie sind der Sauerteig unserer Gesellschaft – sie sind es und nicht die Esoteriker und schon gar nicht die ständigen Wiederkäuer oder Dampfplauderer.

Und nicht zuletzt hat er immer ein gutes Team um sich geschart und er hat rechtzeitig für Fortsetzung und Nachfolge gesorgt. Bravo dem Mann.

Nun also ist er ex cathedra, was er schon immer war, ein Berggeist.Was ein richtiger Berggeist ist, der hockt mit den Dohlen am Grat, hört lieber deren vertrauten Schrei, als solche Ansprachen, liebt mehr die Stille der Berge als solchen urbanen Wortlärm, der Berggeist steht, wenn er genug über die Grate und Gipfel geschaut hat, auf und läuft irgendwo ein kleines Stück den Hang hinab, hebt ab, segelt durch Lufthimmel schwebt, im Nachmittage des Daseins, zieht mit seiner Mami Kreise am Wolkenrand – eben wie ein richtiger Berggeist und landet dann doch wieder sicher auf unserer ach so wunderschönen Erde.