Klubgeist

EdelweißDer Alpenklub Berggeist (AKB), der gemäß einer Satzungsbestimmung nicht mehr als 100 Mitglieder haben soll, spielt seit jeher eine Sonderrolle unter den 355 Sektionen des Deutschen Alpenvereins. Dies zeigt sich etwa auch bei der Bedingung, wonach nur beitreten kann, wer von zwei Mitgliedern des Vereins vorgeschlagen wird. Erst 1996 konnten sich die „Berggeister“ – als absolute Nachzügler – dazu entschließen, Frauen aufzunehmen – mittlerweile ist es vier mutigen Frauen gelungen, in den Männerkreis vorzustoßen!
Bergsteigerische Leistungen besitzen zwar seit jeher eine elementare Bedeutung für das Selbstverständnis des AKB, aber ausdrücklich erwähnt die Satzung als Vereinszweck auch „die Vermittlung des Erlebens am Berg durch Wort, Schrift oder sonst künstlerische Gestaltung sowie die Unterstützung alpiner wissenschaftlicher Arbeiten“. Nie trachteten die Vereinsmitglieder nach Hüttenbesitz oder ähnlichen „Bürden“ anderer Sektionen.
Die „etwas anderen“ Regeln haben den Klub zu einem teilweise elitären Kreis gemacht. Der Alpinschriftsteller Walter Pause, selbst mehrere Jahre Vorsitzender, merkte einmal an, dass man aus den „100 Individualisten“ zwar „im besten Fall ein interessantes Irrenhaus, doch nie und nimmer einen Verein machen“ könne. Spitzenbergsteiger aus allen Epochen des Alpinismus nach dem Zweiten Weltkrieg gehören dazu: Die beiden sächsischen Kletterer Herbert Wünsche oder Dieter Hasse, die viele ihrer leistungsstarken Freunde in den Verein brachten; Günter Sturm, erfolgreicher 8000er-Mann und über Jahrzehnte Chef des Summit Club, stieß 1962 dazu, und zwei Jahre später Pit Schubert, jahrelang „Sicherheits-Papst“ der Bergsteiger; in der „Mediziner-Abteilung“ finden sich der Herzspezialist Prof. Dr. Hans Borst, Dr. Wolfgang Schaffert, über Jahre hinweg Chef der deutschen Berg- und Höhenmediziner; und Dr. Karl Flock, der die „Seven Summits“ bestieg. Das „name dropping“ bei Berggeist schließt Deutschlands renommiertesten Bergfilmer Gerhard Baur ebenso ein wie den Fotografen Jürgen Winkler, den TV-Redakteur Michael Pause (Bergauf-Bergab) sowie den Autor und Filmemacher Malte Roeper. Nach der Wende fanden der sächsische Ausnahmekletterer Bernd Arnold zum AKB; last but not least gehört auch Hüttenwirt und Allround-Talent Charly Wehrle zu dem ungewöhnlichen Kreis.